Fußball: 25 starke Minuten reichen nicht

Fußball — Verbandsliga: TSG Tübingen — VfL Sindelfingen 4:2 (1:2)

25 gute Minuten sind dann doch entschieden zu wenig, um ein Verbandsligaspiel am Ende auch als Sieger verlassen zu können. Diese nüchterne Erkenntnis nahm der VfL Sindelfingen nebst einer Verletzung von Marc Hetzel sowie einer Roten Karte gegen Frederick Mohr von der 2:4-Niederlage bei der TSG Tübingen mit auf die kurze Heimfahrt.

„Dass der Gegner gewonnen hat, geht absolut in Ordnung“, versuchte Tobias Winter nach dem Schlusspfiff der unterhaltsamen Partie gar nicht erst nach Ausreden zu suchen. „Ohne eine top Leistung kann man in dieser Liga nichts gewinnen. Das haben wir heute wieder deutlich aufgezeigt bekommen.“ Die „fehlende Gier meiner Mannschaft“ habe letztlich den Ausschlag zu Gunsten der TSG Tübingen gegeben, konstatierte der Coach des VfL Sindelfingen relativ emotionslos.

Tatsächlich hätten die Sindelfinger mit ein wenig mehr Entschlossenheit in den Zweikämpfen durchaus Zählbares mit nach Hause nehmen können. Aber schon der Beginn des Spiels auf dem Tübinger Kunstrasenplatz verhieß für die Mannen von Tobias Winter nichts Gutes, denn die TSG drängte die Gäste weit an ihren Strafraum zurück. Der VfL hatte seine liebe Müh und Not, um einen frühen Gegentreffer zu verhindern. Bei sehr guten Möglichkeiten von Tammo Heinzler (5.), Lars Lack (8.) und Jonas Frey (9.) gelang das gerade so. Nicht mehr aber in der 16. Minute, als Florian Feigl den Ball an Jonas Frey verlor, dieser alleine auf Michael Walz zulief und eiskalt das 1:0 erzielte. Komischerweise tat der Gegentreffer dem Spiel der Sindelfinger gut. Die Gäste besannen sich nun auf ihre Stärken und sorgten vor allem bei ruhenden Bällen für Ausnahmezustand im Tübinger Strafraum. Einen Freistoß von Florian Feigl in der 21. Minute verlängerte Oliver Glotzmann gleich mal per Kopf zum 1:1 in die Maschen. Plötzlich lief es beim VfL, der nun auch spielerische Akzente zu setzen wusste. Eine Mischung aus ruhendem Ball und individueller Klasse bescherte den Sindelfingern nach 32 Minuten sogar die Führung. Alexander Wetsch beförderte einen seiner gefürchteten Einwürfe bis ans Fünfmetereck. Dort nahm Oliver Glotzmann den Ball klasse an, legte diesen auf Samuel Mayer zurück, der volley zum 2:1 ins lange Eck traf. Die Tübinger durften sich bis zum Pausenpfiff glücklich schätzen, dass der VfL nicht noch ein weiteres mal jubeln durfte. Die Chancen dazu hatte er freilich. Ein Kopfball von Nico Dittrich (37.) landete auf dem Tornetz, eine Kopfballverlängerung von Oliver Glotzmann bei Ender Özcan (39.), der aber an TSG-Torwart Lukas Weber scheiterte. Ein weiterer Kopfball von Oliver Glotzmann landete an der Latte, jedoch soll der Goalgetter leicht im Abseits gestanden haben. Von den Hausherren war bis auf einen Freistoß von Lars Lack unmittelbar vor dem Pausenpfiff, den Michael Walz unkonventionell per Fußabwehr klärte, nicht mehr viel zu sehen. Das sollte sich nach Wiederanpfiff aber ändern. Zwar bot sich Oliver Glotzmann in der 54. Minute nach feiner Vorlage von Samuel Mayer die Chance, auf 3:1 zu stellen, danach aber war es mit der Sindelfinger Herrlichkeit vorbei. Die TSG entschied fast jeden noch so kleinen Zweikampf für sich und bekam so immer mehr Sicherheit in ihre Aktionen. Glück hatte der VfL in der 65. Minute, als ein Schuss des zur Pause eingewechselten Christoph Hollnberger nur an den Innenpfosten klatschte. Besser machte er es vier Minuten später: Noah Sautter ließ eine Flanke von Lars Lack zu, die dann Michael Walz nach vorne abprallen ließ. Nutznießer war Christoph Hollnberger, der aus der Drehung das 2:2 erzielte. Auch in der Folge brannte es lichterloh im Sindelfinger Strafraum. In der 77. Minute setzte Luca Alfonzo einen Freistoß an den Pfosten. Das Glück hatte der VfL damit aber endgültig aufgebraucht, denn nur fünf Minuten später klingelte es erneut im Kasten der Gäste. Einen Schuss des überragenden Lars Lack konnte Michael Walz noch entschärfen. Gegen den Nachschuss von Luis Miguel Almeida war aber auch die Nummer eins der Sindelfinger machtlos – 3:2. Zugutehalten muss man der Mannschaft von Tobias Winter, dass sie sich nie hängen ließ und nach dem Rückstand alles nach vorne warf, um zumindest einen Punkt mit nach Hause zu nehmen. In der 84. Minute scheiterte Samuel Mayer an Lukas Weber. Ivan Vargas Müller, der in der 33. Minute für den verletzt ausgeschiedenen Marc Hetzel ins Spiel gekommen war, wurde beim Nachschuss entscheidend gestört und fiel auf den Ball. Schiedsrichter David Kaiser (SV Erlenmoos) pfiff die Szene ab, entschied aber nicht auf Elfmeter sondern hielt dem Sindelfinger Stürmer die Gelbe Karte unter die Nase. Gar die Rote Karte bekam in der 90. Minute Frederick Mohr zu sehen. In der 66. Minute erst eingewechselt, unterband der Matchwinner vom jüngsten 2:1-Sieg gegen die TSG Hofherrnweiler-Unterrombach einen Konter von Lars Lack unmittelbar vor der Strafraumgrenze mit unlauteren Mitteln. Zu allem Überfluss setzte Lars Lack den folgenden Freistoß auch noch zum 4:2-Endstand ins Torwarteck.

VfL Sindelfingen: Walz, Wetsch (66. Minute Mohr), Molitor, Rupp, Sautter, Özcan (74. Minute Aleman Solis), Dittrich, Feigl (84. Minute Simao), Mayer, Hetzel (33. Minute Vargas Müller), Glotzmann

Quelle: SZ/BZ-Online